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GLP-1 Analoga bei Übergewicht und anderen Erkrankungen

DoktorABC Redaktionsteam
Zuverlässige und geprüfte medizinische Informationen, zusammengestellt von unserem Redaktionsteam und Ärzten. Redaktionsprozess.

GLP-1 Analoga (auch GLP-1-Rezeptoragonisten genannt) eignen sich erwiesenermaßen für die Regulierung des Blutzuckers und die Behandlung von Übergewicht. Hier erfahren Sie, ob diese Medikamente auch bei Arthritis und anderen Erkrankungen helfen können.
Hier erfahren Sie
  • Wie GLP-1-Analoga wirken.
  • Wie diese Medikamente die Gewichtsabnahme fördern.
  • Wie eine Gewichtsreduktion die Kniegelenke entlastet.
  • Welche Forschungsergebnisse zu möglichen entzündungshemmenden und knorpelschützenden Wirkungen vorliegen.
  • Welche Voraussetzungen für eine Verschreibung gelten.

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Was sind GLP-1-Analoga und wie helfen sie bei Übergewicht?

Laut Angaben des Statistischen Bundesamts sind 61 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen in Deutschland übergewichtig. 

GLP-1-Analoga gehören zu den wirksamen Medikamenten, die eine Gewichtsabnahme unterstützen. Sie ahmen die Wirkung des körpereigenen Darmhormons GLP-1 nach und beeinflussen dadurch den Blutzucker, das Hungergefühl und das Körpergewicht. 

Zu den bekannten Wirkstoffen aus dieser Gruppe gehören Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid. Letzteres aktiviert zusätzlich den Rezeptor des Hormons GIP und zählt deshalb zu den dualen GIP-/GLP-1-Rezeptoragonisten.

Wirkstoff Wirkung Zugelassene Anwendungen
Semaglutid GLP-1-Rezeptoragonist Gewichtskontrolle, Diabetes
Liraglutid GLP-1-Rezeptoragonist Gewichtskontrolle, Diabetes
Tirzepatid GIP-/GLP-1-Rezeptoragonist Gewichtskontrolle, Diabetes

Die Essener Internistin und Endokrinologin Prof. Dr. Dr. Dagmar Führer-Sakel erklärte in einem Interview mit Aponet.de vom 12. August 2026 wissenswertes rund um diese Medikamente:

Wer kann GLP-1-Analoga verschrieben bekommen?

„Ursprünglich wurden die sogenannten GLP-1-Rezeptor-Agonisten für die Therapie des Typs 2-Diabetes mellitus entwickelt. Zur Behandlung von Adipositas kommen die Medikamente nach den Empfehlungen des europäischen Adipositas-Verbandes ab einem BMI größer 30 infrage. Bei mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung oder anderen Komplikationen wird eine Therapie auch ab einem BMI von 27 empfohlen.“

Warum sollte man Adipositas behandeln lassen?

„Mit der Diagnose Adipositas geht ein erhöhtes Risiko für Diabetes und weitere gefährliche Begleiterkrankungen einher, zum Beispiel des Herz-Kreislauf-Systems und auch für Krebs. Die Lebenserwartung ist bei Adipositas signifikant reduziert – umso wichtiger ist es, die Erkrankung nun auch effektiv zu behandeln.“

Wie effektiv sind GLP-1-Analoga?

„Mit den neuen Hormontherapien, welche sich die Betroffenen als wöchentliche Spritze verabreichen können, lässt sich das Gewicht inzwischen fast so reduzieren wie durch einen chirurgischen Eingriff am Magen-Darm-Trakt, und der Stoffwechsel lässt sich optimieren. Insofern ist die GLP-1-basierte Hormontherapie als echter Durchbruch in der Adipositas-Behandlung zu werten.“

Gut zu wissen

Arthrose ist eine Verschleißerkrankung der Gelenke, bei der sich der Gelenkknorpel immer stärker abnutzt. Arthritis bezeichnet dagegen eine Entzündung eines Gelenks, die beispielsweise durch eine Autoimmunerkrankung oder eine Infektion entstehen kann. 

Während Arthrose häufig mit Belastungsschmerzen und Bewegungseinschränkungen einhergeht, verursacht Arthritis zusätzlich Schwellungen, Rötungen und Überwärmung. Beide Erkrankungen können gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken.

Wie können GLP-1-Analoga die Gelenke bei Arthrose entlasten?

GLP-1-Analoga können bei Übergewicht die Belastung von Knie- und anderen Gelenken verringern und dadurch Arthrosebeschwerden lindern. Jedes Kilogramm Körpergewicht erhöht die mechanische Beanspruchung des Kniegelenks beim Gehen und Treppensteigen. 

Eine Gewichtsabnahme reduziert diese Druck- und Kompressionskräfte und kann Schmerzen sowie Bewegungseinschränkungen verbessern. Bei Kniearthrose ist außerdem eine Wirkung auf entzündliche Prozesse im Gelenk möglich.

Studie zu Semaglutid und Kniearthrose

Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 407 Patienten mit Adipositas und Kniearthrose, deren Ergebnisse 2024 in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine erschien, untersuchte Semaglutid über 68 Wochen. Die Teilnehmer verloren durchschnittlich 13,7 Prozent ihres Körpergewichtes. Gleichzeitig sank der WOMAC-Schmerzscore unter Semaglutid um 41,7 Punkte. Die Ergebnisse zeigen, dass eine deutliche Gewichtsabnahme mit einer relevanten Verbesserung von Schmerzen einhergehen kann.

Wirken GLP-1-Analoga auch gegen Entzündungen und Knorpelabbau?

Das ist möglich, aber noch nicht erwiesen: Eine im Mai 2026 in der Fachzeitschrift Journal of Advanced Research erschienene Überblicksarbeit untersuchte, ob GLP-1-Analoga neben der Gewichtsabnahme auch einen direkten schützenden Effekt auf die Gelenke haben. Die Autoren werteten elf Untersuchungen aus, darunter sieben präklinische Studien und vier Studien mit Menschen. In den Tierversuchen zeigten sich Hinweise auf entzündungshemmende und knorpelschützende Wirkungen. Auch die klinischen Studien deuten auf mögliche Verbesserungen von Schmerzen und Gelenkstruktur hin.

Solche Ergebnisse sind vielversprechend, reichen aber noch nicht aus, um GLP-1-Analoga als eigenständige Arthrosetherapie zu empfehlen.

Achtung !

Eine bestehende Schädigung des Knorpels lässt sich momentan durch keine zugelassenen Medikamente rückgängig machen.

Die Forschung untersucht verschiedene Verfahren, darunter Stammzelltherapien, Knorpeltransplantationen und Medikamente, die gezielt in den Knorpelstoffwechsel eingreifen.

Sind GLP-1-Analoga zur Behandlung von Arthrose zugelassen?

GLP-1-Analoga sind in der EU zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und zur langfristigen Gewichtskontrolle bei Adipositas zugelassen, aber nicht als eigenständige Therapie gegen Arthrose. 

Sie können jedoch durch Gewichtsabnahme, geringere Belastung der Gelenke und möglicherweise zusätzliche biologische Effekte einen wichtigen Beitrag zur Behandlung leisten.

Gut zu wissen

Wer sich über die Einzelheiten der Zulassung von Semaglutid und Tirzepatid informieren möchte, findet Fachinformationen dazu auf den Seiten der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA).

Wie läuft die Verschreibung von GLP-1-Analoga ab?

Für das Gewichtsmanagement kommen GLP-1-Analoga bei einem Body-Mass-Index ab 30 kg/m² oder bei einem BMI von 27 bis unter 30 kg/m² infrage, wenn mindestens eine gewichtsbezogene Begleiterkrankung vorliegt. Dazu zählen Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und obstruktive Schlafapnoe. 

Die konkreten Voraussetzungen hängen vom jeweiligen Wirkstoff und seiner Zulassung ab.

Vor der Verschreibung berücksichtigt ein Arzt den Gesundheitszustand, die Krankengeschichte, bestehende Erkrankungen,  eingenommene Medikamente und mögliche Risiken. 

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von GLP-1-Präparaten gehören:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Verstopfung 
  • Bauchschmerzen

Die Dosis wird bei vielen Präparaten schrittweise gesteigert, damit sich der Körper an die Behandlung gewöhnen kann.

Gut zu wissen

Eine Telemedizin-Plattform wie DoktorABC ermöglicht den ärztlichen Kontakt online. Nach einem medizinischen Fragebogen prüft ein behandelnder Arzt die Angaben und entscheidet, ob eine Behandlung medizinisch geeignet ist und ein Rezept ausgestellt werden kann. Bei Bedarf können weitere Fragen oder eine ärztliche Beratung folgen. 

Fazit: GLP-1-Analoga bei Übergewicht und Arthrose

GLP-1-Analoga wie Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid bieten wirksame Möglichkeiten bei der Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes. Sie fördern die Gewichtsabnahme, verbessern die Regulierung des Blutzuckers und können dadurch die Gesundheit und die Lebensqualität vieler Patienten verbessern.

Bei Kniearthrose kann eine Gewichtsabnahme die mechanische Belastung der Gelenke verringern und Schmerzen lindern. Erste Forschungsergebnisse weisen zudem auf mögliche direkte entzündungshemmende und knorpelschützende Eigenschaften hin. GLP-1-Analoga sind jedoch keine zugelassene Arthrosetherapie und können bestehende Knorpelschäden nicht rückgängig machen.

FAQ

Können GLP-1-Analoga bei Kniearthrose helfen?

Ja. Eine Gewichtsabnahme reduziert die mechanische Belastung der Kniegelenke und kann dadurch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen lindern. GLP-1-Analoga sind jedoch nicht zur eigenständigen Behandlung von Arthrose zugelassen.

Welche Nebenwirkungen können GLP-1-Analoga verursachen?

Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen. Eine schrittweise Steigerung der Dosis reduziert die Beschwerden.

Wann kann man sich GLP-1-Analoga verschreiben lassen?

Für das Gewichtsmanagement kommen sie grundsätzlich bei einem BMI ab 30 kg/m² oder ab 27 kg/m² mit mindestens einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung infrage.

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