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Cannabis und konventionelle Medikamente gegen Nervenschmerzen?

DoktorABC Redaktionsteam
Zuverlässige und geprüfte medizinische Informationen, zusammengestellt von unserem Redaktionsteam und Ärzten. Redaktionsprozess.

Welche Behandlungsoption bietet die beste Linderung? In diesem Artikel erfahren Sie, was Nervenschmerzen sind und wie sie behandelt werden können. Wir beleuchten sowohl konventionelle Medikamente als auch die potenzielle Wirkung von medizinischen Cannabis, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen.
 
Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen:
  • Was Nervenschmerzen sind und wie sie sich von anderen Schmerzarten unterscheiden.
  • Welche konventionellen Medikamente zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt werden.
  • Was die Forschung über die Wirksamkeit von Cannabis bei Nervenschmerzen sagt.
  • Wann die Verwendung von medizinischem Cannabis in Betracht gezogen werden könnte.

Was sind Nervenschmerzen?

Nervenschmerzen, auch als neuropathische Schmerzen bekannt, unterscheiden sich deutlich von anderen Schmerzarten. Während akute Schmerzen oft als Warnsignal des Körpers dienen, entstehen Nervenschmerzen durch eine Fehlfunktion oder Schädigung des Nervensystems selbst.

Dr. Guido Koopmans erläuterte die Entstehung von Nervenschmerzen in einem Interview wie folgt: “Im Grunde handelt es sich dabei um eine falsche Anpassung vom Körper an die Nervenverletzung. Diese falsche Anpassung beruht darauf, dass die Nervenzellen plastische Prozesse, also Veränderungsprozesse, durchlaufen: Die verletzten Nervenfasern versuchen, wieder herauszuwachsen, neue Verbindungen herzustellen. Dabei kann es zu einer Falschvernetzung oder Falschwiedergabe von dem, was von der betroffenen Person eigentlich gespürt wird, kommen. So lässt sich erklären, dass das, was die Person einst als Druck wahrgenommen hat, auf einmal als schmerzhaft empfindet. “

Charakteristisch für Nervenschmerzen sind brennende, stechende oder elektrisierende Empfindungen. Oft gehen sie mit einem Gefühl der Taubheit oder Überempfindlichkeit einher. Diese Schmerzen können dauerhaft sein oder in Episoden auftreten.

Die Auswirkungen von Nervenschmerzen auf die Lebensqualität können erheblich sein. Viele Betroffene leiden unter Schlafstörungen, Angstzuständen oder Depressionen als Folge ihrer chronischen Schmerzen.

Konventionelle Medikamente gegen Nervenschmerzen

Die Behandlung von Nervenschmerzen umfasst verschiedene Medikamentenklassen, die je nach individueller Situation eingesetzt werden:

1. Antidepressiva:

  • Trizyklische Antidepressiva 
  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (kurz: SNRI)
  • Diese Medikamente können die Schmerzweiterleitung im Rückenmark beeinflussen und so die Schmerzwahrnehmung reduzieren.

2. Antikonvulsiva:

  • Gabapentin
  • Pregabalin: ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie entwickelt, haben sich diese Medikamente auch bei neuropathischen Schmerzen als wirksam erwiesen.

3. Opioide:

  • Tramadol
  • In schweren Fällen: Morphin oder Oxycodon Opioide sollten aufgrund ihres Suchtpotenzials nur mit Vorsicht und unter strenger ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden.

4. Topische Medikamente:

  • Lidocain-Pflaster oder -Cremes
  • Capsaicin-Pflaster: diese lokalen Anwendungen können besonders bei gut lokalisierbaren Schmerzen hilfreich sein.

Die Wirksamkeit dieser Medikamente kann individuell sehr unterschiedlich sein. Nur ein Teil der Patienten erfährt eine signifikante Schmerzlinderung durch ein einzelnes Medikament. Die Behandlung von Nervenschmerzen erfordert oft eine Kombination verschiedener Ansätze und eine enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient.

 

Sicherheitshinweis!

Jede dieser Medikamentenklassen hat spezifische Vor- und Nachteile. Antidepressiva und Antikonvulsiva können Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel verursachen. Opioide bergen das Risiko einer Abhängigkeit. Topische Medikamente sind oft gut verträglich, aber in ihrer Wirkung begrenzt.

Forschung zu medizinischem Cannabis bei Nervenschmerzen

Die Forschung zur Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei Nervenschmerzen hat in den letzten Jahren zugenommen, liefert aber bisher gemischte Ergebnisse. Es gibt sowohl vielversprechende Ergebnisse als auch offene Fragen und methodische Herausforderungen.

Eine Übersichtsarbeit kam zur Schlussfolgerung, dass kurzfristiges, niedrig dosiertes Cannabis, insbesondere wenn es verdampft oder über die Mundschleimhaut verabreicht wird, sicher und wirksam bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen sein kann. Gut zu wissen:

 

Gut zu wissen

Ein großes Problem ist die Heterogenität der Studien in Bezug auf Dosierung, Cannabinoid-Zusammensetzung und Behandlungsdauer. Dies macht es schwierig, allgemeingültige Schlussfolgerungen zu ziehen.

Wann medizinisches Cannabis bei Nervenschmerzen in Betracht gezogen werden kann

Die Entscheidung, medizinisches Cannabis zur Behandlung von Nervenschmerzen einzusetzen, sollte individuell und in enger Abstimmung mit einem erfahrenen Arzt getroffen werden. 

Cannabis könnte in Betracht gezogen werden, wenn konventionelle Therapien nicht ausreichend wirksam sind oder zu starke Nebenwirkungen verursachen. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass Cannabis in der Regel nicht als Erstlinientherapie eingesetzt wird.

Mögliche Szenarien für den Einsatz von medizinischem Cannabis:

  1. Therapieresistente neuropathische Schmerzen
  2. Starke Nebenwirkungen unter konventioneller Therapie
  3. Als Teil einer multimodalen Schmerztherapie
  4. Bei Patienten, die eine Reduktion ihres Opioid-Konsums anstreben
  5. Patienten, bei denen andere Behandlungen kontraindiziert sind.

Mehr zu medizinischen Cannabis

Falls Sie sich generell für die Wirkung von medizinischen Cannabis interessieren, lesen Sie bitte diesen allgemeinen Artikel, um sich einen Überblick zu verschaffen.

 

Gut zu wissen

Die Bereitschaft, Cannabis als Medizin zu betrachten, scheint jedoch in Deutschland zuzunehmen. Im Jahr 2022 gab es in Deutschland insgesamt 6,71 Millionen Menschen, die medizinisches oder therapeutisches Cannabis einnahmen, im Vergleich zu nur 0,66 Millionen Menschen im Jahr 2017. 

Fazit

Für Patienten, die an Nervenschmerzen leiden, ist es entscheidend, eng mit ihrem behandelnden Arzt zusammenzuarbeiten, um einen individuell angepassten Behandlungsplan zu entwickeln. Dieser kann verschiedene Therapieansätze kombinieren und sollte regelmäßig auf seine Wirksamkeit überprüft werden.

FAQ

Kann Cannabis das Nervensystem schädigen

Cannabis kann bei langfristigem, intensivem Gebrauch, besonders bei Jugendlichen, negative Auswirkungen auf das Nervensystem haben. Bei kontrollierter medizinischer Anwendung unter ärztlicher Aufsicht ist das Risiko einer Nervenschädigung jedoch gering.

Was ist das stärkste Mittel gegen Nervenschmerzen?

Es gibt kein einzelnes »stärkstes« Mittel, da die Wirksamkeit individuell variiert. Zu den wirksamsten Optionen gehören oft Antikonvulsiva wie Pregabalin oder Gabapentin, bestimmte Antidepressiva und in schweren Fällen Opioide. Die Wahl hängt von der individuellen Situation des Patienten ab.

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