BRAUNOL Schleimhautantiseptikum
Braunol ist eine braune Lösung zur Anwendung auf Haut und Schleimhaut. Sie tötet Keime ab (Antiseptikum). Wirkstoff ist Povidon-Iod, eine Verbindung, die Iod nach und nach freigibt.
Die braune Farbe gehört zum Präparat und zeigt, dass die Lösung wirkt. Ist sie weitgehend entfärbt, wirkt sie nicht mehr ausreichend.
Produktdetails
Produktname: BRAUNOL Schleimhautantiseptikum
PZN: 01588716
Hersteller: B. Braun Melsungen AG
Darreichungsform: Lösung
Packungsgröße: 1000 ml
Anwendungsgebiete
Braunol dient der Bekämpfung von Keimen.
Einmalige Anwendung:
- Desinfektion der unverletzten Haut oder keimtötende Behandlung der Schleimhaut, etwa vor Operationen, Gewebeentnahmen (Biopsien), Spritzen, Punktionen, Blutabnahmen oder dem Legen eines Blasenkatheters
Wiederholte Anwendung für begrenzte Zeit:
- keimtötende Behandlung von Wunden, z. B. Druckgeschwüren oder Unterschenkelgeschwüren
- Verbrennungen
- infizierte Erkrankungen der Haut
- hygienische und chirurgische Desinfektion der Hände
Dosierung
Wenden Sie Braunol so an, wie hier beschrieben. Sind Sie unsicher, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
Desinfektion von Haut und Schleimhaut:
- Tragen Sie die Lösung unverdünnt auf, bis die Stelle vollständig benetzt ist. Die Haut muss während der Einwirkzeit feucht bleiben.
- Haut mit wenigen Talgdrüsen: 15 Sekunden vor Spritzen und Punktionen. Mindestens 1 Minute vor Operationen und vor dem Punktieren von Gelenken, Körperhöhlen oder Hohlorganen; bei Bedarf erneut auftragen.
- Haut mit vielen Talgdrüsen (z. B. Kopf, Brust, Rücken zwischen den Schulterblättern): Lösung mehrmals auftragen, Einwirkzeit jeweils mindestens 10 Minuten
- Bei der Hautdesinfektion vor einer Operation darf sich unter dem Patienten keine Pfütze bilden, da sonst Hautreizungen möglich sind.
Wundbehandlung:
- Oberflächliche Wunden und Verbrennungen mit der unverdünnten Lösung bestreichen.
Händedesinfektion (unverdünnt):
- hygienisch: 3 ml in die Hände einreiben, 1 Minute einwirken lassen, danach die Hände waschen
- chirurgisch: 2 x 5 ml in die Hände einreiben, Einwirkzeit 5 Minuten. Die Hände müssen in dieser ganzen Zeit von der unverdünnten Lösung feucht sein.
Spülungen, Waschungen und Bäder (verdünnt), empfohlene Richtwerte:
- Spülungen bei der Wundbehandlung (z. B. Druckgeschwüre, Unterschenkelgeschwüre, Brandwunden) und zur Vorbeugung von Infektionen rund um eine Operation: 1:2 bis 1:20
- keimtötende Waschungen: 1:2 bis 1:25
- Teilbäder: ca. 1:25
- Vollbäder: ca. 1:100
- Zum Verdünnen eignet sich Leitungswasser. Soll die Lösung annähernd den Salzgehalt des Körpers haben (Isotonie), können Sie physiologische Kochsalzlösung oder Ringerlösung nehmen.
- Stellen Sie Verdünnungen immer frisch her und verbrauchen Sie sie bald.
- Vollbad: Lassen Sie zuerst das Wasser ein und geben Sie dann Braunol hinzu. So entstehen keine iodhaltigen Dämpfe, die andere Gegenstände gelb färben können.
Wie oft und wie lange:
- Bei wiederholter Anwendung hängen Häufigkeit und Dauer vom Anwendungsgebiet ab.
- Braunol kann ein- oder mehrmals am Tag angewendet werden.
- Setzen Sie eine Wundbehandlung fort, solange Zeichen einer Infektion bestehen oder die Wunde deutlich infektionsgefährdet ist.
- Bessern sich Ihre Beschwerden nach mehreren Tagen (2 bis 5 Tage) regelmäßiger Anwendung nicht oder treten sie nach Ende der Behandlung erneut auf, gehen Sie zum Arzt.
Anwendungsfehler und Überdosierung
- Zu viel aufgetragen: Haut oder Wunde nehmen dadurch keinen Schaden. Wischen Sie überschüssige Lösung neben der behandelten Stelle mit einem sauberen Tuch ab, damit die Kleidung nicht verschmutzt. Nehmen Sie Pfützen unter dem Patienten auf und lassen Sie die Stelle ganz trocknen.
- Versehentlich verschluckt: Braunol ist nur für die äußerliche Anwendung. Wurden größere Mengen eingenommen, holen Sie sofort ärztlichen Rat ein, weil die Schilddrüsenfunktion schwer gestört werden kann.
- Anwendung vergessen: Machen Sie mit der Behandlung wie vorgesehen weiter.
- Anwendung abgebrochen: Der Zustand der Wunde kann sich verschlechtern.
- Bei weiteren Fragen zur Anwendung helfen Ihnen Arzt oder Apotheker.
Gegenanzeigen
Wenden Sie Braunol nicht an:
- bei einer Allergie gegen den Wirkstoff Povidon-Iod oder gegen einen anderen Inhaltsstoff
- bei einer Schilddrüsenüberfunktion oder einer anderen bestehenden Erkrankung der Schilddrüse
- bei Dermatitis herpetiformis Duhring (sehr seltene, chronische Hautentzündung mit Bläschen)
- wenn eine Behandlung der Schilddrüse mit radioaktivem Iod (Radioiodtherapie) geplant ist oder läuft, bis diese Behandlung abgeschlossen ist
- bei sehr kleinen Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g
Vorsichtsmaßnahmen
Sprechen Sie vor der Anwendung mit Ihrem Arzt oder Apotheker.
- Hautdesinfektion vor einer Operation: Die Lösung darf sich nicht unter dem Patienten sammeln ("Pfützenbildung"), weil die Haut sonst gereizt werden kann.
- Kropf oder frühere Schilddrüsenerkrankung: Wenden Sie Braunol über längere Zeit und auf großen Flächen nur an, wenn Ihr Arzt es ausdrücklich angeordnet hat. Gemeint ist z. B. eine Anwendung länger als 14 Tage auf mehr als 10 % der Körperoberfläche. Achten Sie auch nach dem Ende der Behandlung bis zu 3 Monate lang auf erste Zeichen einer Schilddrüsenüberfunktion (siehe Nebenwirkungen). Unter Umständen muss die Schilddrüsenfunktion überwacht werden.
- Lithium: Nehmen Sie Lithium-Präparate ein, vermeiden Sie eine regelmäßige Anwendung von Braunol (siehe Wechselwirkungen).
- Ältere Menschen: Bei ihnen steigt die Gefahr, dass Iod eine Schilddrüsenüberfunktion auslöst. Wenden Sie Braunol deshalb nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt an. Bei älteren Menschen mit Kropf oder Neigung zu Störungen der Schilddrüsenfunktion nur auf ausdrückliche Anweisung des Arztes großflächig und über längere Zeit anwenden. Unter Umständen muss die Schilddrüsenfunktion überwacht werden.
Einfluss auf Untersuchungen:
- Povidon-Iod wirkt oxidierend. Deshalb können manche Testverfahren während der Behandlung fälschlich positive Ergebnisse zeigen, u. a. Toluidin- und Guajakharz-Tests auf Blut (Hämoglobin) oder Zucker (Glucose) in Stuhl oder Urin.
- Povidon-Iod kann die Iodaufnahme der Schilddrüse verändern. Untersuchungen der Schilddrüse (Szintigraphie, PBI-Bestimmung, Radioiod-Diagnostik) können dadurch gestört werden, und eine geplante Radioiodtherapie kann unmöglich werden. Vor einer neuen Szintigraphie sollten nach dem Ende der Behandlung mindestens 1 - 2 Wochen vergehen.
Wechselwirkungen
Sagen Sie Ihrem Arzt oder Apotheker, welche anderen Arzneimittel Sie zurzeit anwenden, vor Kurzem angewendet haben oder demnächst anwenden wollen.
- Enzymhaltige Wundbehandlungsmittel, silberhaltige Desinfektionsmittel, Wasserstoffperoxid oder Taurolidin: Zusammen mit Braunol können sich die Mittel gegenseitig in ihrer Wirkung abschwächen.
- Quecksilberhaltige Desinfektionsmittel: Nicht gleichzeitig und nicht kurz nacheinander mit Braunol anwenden. Unter Umständen entsteht dabei ein Stoff, der die Haut verätzt.
- Lithium-Präparate: Wer damit behandelt wird, sollte Braunol nicht regelmäßig und besonders nicht großflächig anwenden. Das aufgenommene Iod kann begünstigen, dass Lithium eine Schilddrüsenunterfunktion auslöst.
- Eiweiß und andere organische Stoffe, etwa Bestandteile von Blut oder Eiter, reagieren mit Povidon-Iod. Das kann die Wirkung abschwächen.
Nebenwirkungen
Wichtige Nebenwirkungen, sehr selten (weniger als 1 von 10 000 Behandelten):
- Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut, z. B. verzögert auftretende Kontaktallergie mit Juckreiz, Rötung, Bläschen oder Ähnlichem
- akute Reaktionen des Immunsystems (anaphylaktische Reaktionen), die auch andere Organe betreffen, z. B. Haut, Atemwege oder Kreislauf
Tritt eine dieser Nebenwirkungen auf, wenden Sie Braunol nicht weiter an und gehen Sie möglichst sofort zu Ihrem Arzt.
Weitere mögliche Nebenwirkungen:
- Gelegentlich (weniger als 1 von 100 Behandelten): örtliches Brennen zu Beginn der Behandlung
- Wird Braunol länger auf großen Wund- oder Brandflächen angewendet, kann der Körper nennenswert Iod aufnehmen. Sehr selten entwickeln Menschen mit früheren Schilddrüsenerkrankungen dann eine durch Iod ausgelöste Schilddrüsenüberfunktion (iodinduzierte Hyperthyreose), teils mit Beschwerden wie schnellerem Puls oder innerer Unruhe (siehe Gegenanzeigen).
- Nach Anwendung größerer Mengen Povidon-Iod-haltiger Arzneimittel (z. B. bei der Behandlung von Verbrennungen) wurden (zusätzliche) Störungen der Blutsalze (Elektrolyte) und der Serumosmolarität (Konzentration gelöster Teilchen im Blut), eine eingeschränkte Nierenfunktion und eine Übersäuerung des Blutes (metabolische Azidose) beschrieben.
- Sehr selten: Bei Menschen mit ausgeprägten Schäden der Hornhaut des Auges, die mit phosphathaltigen Augentropfen behandelt wurden, trübte sich die Hornhaut durch entstehende Kalziumphosphate.
Fallen Ihnen Nebenwirkungen auf, auch solche, die hier nicht stehen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Melden können Sie Nebenwirkungen außerdem beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): www.bfarm.de oder per Post an Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, 53175 Bonn (Abteilung Pharmakovigilanz). Jede Meldung hilft, mehr über die Sicherheit des Mittels zu erfahren.
Warnhinweise
- Neugeborene: Wenden Sie Braunol bei Neugeborenen nicht wiederholt an. Nach einer Anwendung muss die Schilddrüsenfunktion kontrolliert werden.
- Säuglinge: Ein Säugling darf die Lösung auf keinen Fall versehentlich in den Mund bekommen.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Nur auf ausdrückliche Anweisung des Arztes und nur sehr eingeschränkt anwenden. Dann muss die Schilddrüsenfunktion des Kindes kontrolliert werden. Achten Sie in der Stillzeit unbedingt darauf, dass der Säugling an der Brust keine Lösung in den Mund bekommt.
- Nicht einnehmen: Braunol ist nur zur äußerlichen Anwendung bestimmt.
- Bessern sich Ihre Beschwerden nach 2 bis 5 Tagen nicht oder werden sie schlimmer, gehen Sie zum Arzt.
Wirkstoffe und Bestandteile
100 g Lösung enthalten:
Wirkstoff:
- Povidon-Iod 7,5 g (mit 10 % verfügbarem Iod)
Sonstige Bestandteile: Natriumdihydrogenphosphat-Dihydrat, Natriumiodat, Macrogollaurylether 9 EO (Ph. Eur.), Natriumhydroxid, gereinigtes Wasser.
Haltbarkeit
- Für dieses Behältnis sind keine besonderen Lagerungsbedingungen nötig.
- Für Kinder unzugänglich aufbewahren.
- Nach dem Verfalldatum ("Verwendbar bis:" auf dem Etikett) nicht mehr verwenden.
- Nicht mehr verwenden, wenn die Lösung weitgehend entfärbt ist.
- Arzneimittel nie über Toilette oder Waschbecken entsorgen. Ihre Apotheke sagt Ihnen, wie es richtig geht; mehr unter www.bfarm.de/arzneimittelentsorgung.
Flecken auf Textilien: Povidon-Iod ist wasserlöslich. Flecken lassen sich daher mit Wasser und Seife entfernen, in hartnäckigen Fällen mit Salmiakgeist oder Thiosulfatlösung.
Pflichtangaben
Wirkstoff: Povidon-Iod. Anwendungsgebiete: Zur einmaligen Anwendung: Desinfektion der intakten äußeren Haut oder Antiseptik der Schleimhaut wie z.B. vor Operationen, Biopsien, Injektionen, Punktionen, Blutentnahmen und Blasenkatheterisierungen. Zur wiederholten, zeitlich begrenzten Anwendung: Antiseptische Wundbehandlung (z. B. Druckgeschwüre, Unterschenkelgeschwüre), Verbrennungen, infizierte Hauterkrankungen. Hygienische und chirurgische Händedesinfektion.
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