Cannabis und Schmerzen - einen Versuch wert?

Cannabis wird seit Jahrhunderten zur Schmerzlinderung eingesetzt. Heute, mit fortschreitender Forschung und entspannter Gesetzgebung, erkunden immer mehr Menschen und Mediziner die Möglichkeiten, die Cannabis in der modernen Schmerztherapie bietet.
In diesem Artikel erfahren Sie
  • Das Endocannabinoid-System spielt eine Schlüsselrolle bei der Schmerzlinderung durch Cannabis.
  • Expertenmeinungen und Forschungsergebnisse bestätigen die Wirksamkeit von Cannabis gegen verschiedene Schmerzarten.
  • Medizinisches Cannabis kann für Patienten mit schweren Schmerzzuständen eine Therapieoption sein.
  • In Deutschland ist die Verschreibung von medizinischem Cannabis unter bestimmten Bedingungen möglich

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Welcher Wirkmechanismus von Cannabis beeinflusst die Schmerzwahrnehmung?

Cannabis beeinflusst die Schmerzwahrnehmung durch eine Reihe komplexer Wechselwirkungen im Körper, insbesondere durch das Endocannabinoid-System (kurz: ECS). 

Das ECS ist ein umfangreiches Netzwerk von Rezeptoren, Enzymen und endogenen Cannabinoiden (Endocannabinoide), das in verschiedenen Körperteilen, einschließlich des Gehirns, des zentralen Nervensystems und des Immunsystems, vorhanden ist.

Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung einer Vielzahl von physiologischen Prozessen, darunter Schmerz, Entzündung, Stimmung und Schlaf.

Die zwei bekanntesten Cannabinoide in Cannabis, THC und CBD, interagieren auf unterschiedliche Weise mit dem ECS, um die Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen:

THC:

  • Bindet direkt an die CB1- und CB2-Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems (ECS).
  • CB1-Rezeptoren sind hauptsächlich im Gehirn und Zentralnervensystem (ZNS) lokalisiert, was die psychoaktiven Effekte von THC erklärt.
  • CB2-Rezeptoren finden sich vor allem im Immunsystem, wobei THC hier entzündungshemmende Wirkungen entfalten kann.
  • Die Bindung von THC an diese Rezeptoren kann die Schmerzwahrnehmung durch Modulation der Neurotransmitterfreisetzung verändern.

CBD:

  • Interagiert indirekt mit dem ECS, hat eine geringere Affinität zu CB1- und CB2-Rezeptoren.
  • Hat entzündungshemmende Wirkungen, die bei der Schmerzbehandlung hilfreich sein können, ohne die psychoaktiven Effekte von THC zu verursachen.
  • CBD beeinflusst auch andere Rezeptoren außerhalb des ECS, wie den 5-HT1A-Rezeptor (Serotonin-Rezeptor), was zur Schmerzlinderung beitragen kann.

Gut zu wissen

Cannabis sativa und Cannabis indica sind die zwei Hauptarten von Cannabis, die in der medizinischen Therapie verwendet werden. Sie weisen unterschiedliche Profile von Cannabinoiden auf, was ihre Wirkung auf Schmerz und andere medizinische Bedingungen beeinflussen kann. Die Wahl der Art und Sorte kann daher eine individuelle Anpassung der Behandlung ermöglichen, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Wie wirksam ist Cannabis gegen Schmerzen?

Die Wirksamkeit von Cannabis bei der Behandlung von Schmerzen ist ein Bereich, der zunehmend Aufmerksamkeit in der medizinischen Gemeinschaft und bei Patienten findet. Apotheker Christian Hundeshagen und Dr. Mariano García de Palau haben in Interviews ihre Beobachtungen und Erfahrungen mit Cannabis als Schmerzmittel geteilt, die wertvolle Einblicke in dessen praktische Anwendung bieten.

Apotheker Christian Hundeshagen erwähnte in einem Interview: “Aber ich habe auch Kunden, die zwischen 60 und 80 Jahren alt sind, die wegen Tumorschmerzen, Spastiken oder MS in Behandlung sind. Manche der Selbstzahler sind Manager, die das nicht in ihrer Freizeit nehmen, sondern die Schmerzen und weitergehende Beschwerden haben.”

Cannabis scheint also bereits von einer breiten Altersgruppe und aus verschiedenen beruflichen Hintergründen für die Linderung schwerer Schmerzzustände genutzt zu werden.

Und das aus gutem Grund. Die folgende Tabelle zeigt die beachtlichen Forschungsergebnisse 5 wissenschaftlicher Publikationen:

Art der Publikation Art des Schmerzes Art der Cannabisprodukte Ergebnisse
Übersichtsartikel Chronischer nicht bösartiger Schmerz Medizinisches Cannabis Diese Übersicht zeigt, dass medizinisches Cannabis eine angemessene Schmerzbehandlung bietet und für Patienten mit chronischem nicht bösartigem Schmerz aufgrund seiner Bequemlichkeit und Wirksamkeit vorteilhaft sein kann.
Systematische Überprüfung und Meta-Analyse Chronischer und postoperativer Schmerz Cannabisbasierte Medikamente (kurz: CBMs) Die Analyse liefert begrenzte Beweise dafür, dass CBMs insbesondere bei chronischen Schmerzen durch Inhalation im Vergleich zu Placebo mehr Schmerzlinderung bieten. Die klinische Bedeutung dieser Ergebnisse ist jedoch ungewiss.
Systematische Überprüfung

Chronischer Schmerz

Cannabidiol (kurz: CBD) Die Überprüfung legt nahe, dass CBD gegen chronische Schmerzen eine hervorragende Alternative zu Opioiden darstellen könnte, da es in reiner Form nicht berauschend wirkt. Es sind jedoch weitere klinische Studien erforderlich.
Übersichtsartikel Chronischer Schmerz Cannabis und Cannabinoide Inhaliertes Cannabis zeigt sich konsequent wirksam bei der Reduktion von chronischem nicht bösartigen Schmerz. Orale Cannabinoide scheinen einige Aspekte des chronischen Schmerzes zu verbessern, sind aber bei akuten postoperativen Schmerzen oder rheumatischen Schmerzen nicht effektiv.
Praxisrichtlinie Chronischer Schmerz (Krebs und Nicht-Krebs) Medizinisches Cannabis oder Cannabinoide Die Richtlinie gibt eine schwache Empfehlung zur Erprobung von nicht inhaliertem medizinischem Cannabis oder Cannabinoiden in Ergänzung zur Standardpflege bei Personen mit chronischem Krebs- oder Nicht-Krebs-Schmerz. Die Empfehlung basiert auf einem engen Gleichgewicht zwischen Nutzen und Risiken.

Bezüglich chronischer Schmerzen wies Dr. García de Palau in einem Interview mit Grow auf die Wirksamkeit von Cannabis bei der Behandlung chronischer Schmerzen hin, insbesondere bei Krankheiten, für die es wenige therapeutische Alternativen gibt: “Bei chronischen Entzündungen des Verdauungstraktes, wie der Chron’schen Krankheit, wirkt Cannabis ebenso”, so de Palau. “Das sind Krankheiten, wo Kollegen kaum eine therapeutische Alternative zur Schulmedizin haben, wie in vielen Bereichen. Wobei die gängigen Medikamente oft sehr radikal in ihrer Wirkung sind. Eine Ausnahme sind chronische Schmerzpatienten, hier hat sich mittlerweile eine Mehrheit von der positiven Wirkung von Cannabis-Wirkstoffen überzeugen lassen.”

Sicherheitshinweis

Trotz dieser bemerkenswerten Ergebnisse und vielversprechenden Expertenmeinungen, kann nur Ihr Arzt entscheiden, ob eine Schmerztherapie mit Cannabis für Ihre Situation angemessen ist.

Hilft Cannabis bei Rückenschmerzen?

Die Frage, ob Cannabis bei Rückenschmerzen hilft, ist Gegenstand vieler Diskussionen und Studien in der medizinischen Gemeinschaft. Eine systematische Überprüfung, die sich speziell mit der Wirksamkeit von Cannabis bei der Behandlung von chirurgisch und nicht-chirurgisch bedingten Rückenschmerzen befasst, bietet einige Einblicke in diese Thematik.

Die Schlussfolgerungen der Überprüfung zeigen, dass Cannabis effektiv zur Behandlung von Rückenschmerzen sein kann und ein akzeptables Nebenwirkungsprofil aufweist. 

Gut zu wissen

Viele der im Rahmen dieser Überprüfung untersuchten Studien hatten keine lange Nachbeobachtungsphase, wodurch die langfristige Wirksamkeit nur begrenzt beurteilt werden konnte.

Hilft Cannabis bei Nervenschmerzen?

Neuropathische Schmerzen stellen aufgrund ihrer Komplexität und der begrenzten Wirksamkeit aktueller Medikamente eine besondere Herausforderung dar. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse heben die bedeutende Rolle des Endocannabinoidsystems bei der Pathophysiologie neuropathischer Schmerzen hervor.

Neuere Forschungen, einschließlich einer randomisierten Kontrollstudie, die medizinisches Cannabis in der Behandlung neuropathischer Schmerzen untersuchten, zeigen vielversprechende Ergebnisse.

Diese Studien umfassten Patienten mit unterschiedlichen Ursachen für neuropathische Schmerzen und setzten medizinisches Cannabis mit variierenden THC-Konzentrationen und Verabreichungswegen ein. Mehrere Studien belegten die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei der Behandlung von neuropathischen Schmerzen.

Kann man sich in Deutschland Cannabis gegen Schmerzen verschreiben lassen?

Ja, in Deutschland können Ärzte Patienten Cannabis zu medizinischen Zwecken verschreiben, insbesondere zur Schmerzbehandlung. Dies wurde mit der Änderung des Betäubungsmittelgesetzes 2017 ermöglicht. 

Patienten, die an schweren Erkrankungen leiden und bei denen konventionelle Therapien nicht ausreichend wirksam sind oder starke Nebenwirkungen verursachen, können von ihrem Arzt ein Rezept für medizinisches Cannabis erhalten. Die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen ist möglich, erfordert jedoch in der Regel eine vorherige Antragstellung und Genehmigung.

Hinweis

Selbst wenn Sie im Rahmen der im April 2024 durchgeführten Legalisierung Cannabis beziehen können, empfiehlt sich Cannabis auf Rezept, da man so Cannabis in medizinischer Qualität erhält, dessen Potenz von Charge zu Charge kaum variieren sollte.

Fazit

Cannabis bietet vielversprechende Ansätze in der Schmerztherapie. In Vergleich zu anderen Anwendungsgebieten ist die Schmerztherapie mit Cannabis relativ gut erforscht.  Während es als alternative oder ergänzende Behandlung dienen kann, ist eine individuelle Beratung durch einen Arzt unerlässlich, um die beste Therapieoption für jeden Patienten zu finden.

FAQ

Ist Kiffen gut gegen Schmerzen?

Wie bereits erwähnt kann Cannabis bei bestimmten Schmerzzuständen lindernd wirken. Die Wirksamkeit hängt jedoch von der Art des Schmerzes, der Dosierung und der individuellen Reaktion ab. Grundsätzlich ist jedoch vom “Kiffen” bzw. Rauchen abzuraten. Andere Verabreichungsformen, wie das Verdampfen, die orale Einnahme oder die topische Anwendung gelten als gesünder.

Welcher Arzt verschreibt Cannabis gegen Schmerzen?

In Deutschland können Fachärzte verschiedener Disziplinen, wie Schmerztherapeuten, Neurologen oder Onkologen, bei entsprechender Indikation Cannabis zu medizinischen Zwecken verschreiben.

Ist Cannabisöl gut gegen Schmerzen?

Es gibt äußerst viele Formen von Cannabisöl. Die Sorte von Cannabis, sowie das Extraktionsverfahren beeinflussen hierbei die Wirkstoffzusammensetzung und somit den therapeutischen Wert des Cannabisöls. Eine Studie zur Wirksamkeit von topischem CBD Öl bei peripherer Neuropathie zeigte, dass die transdermale Anwendung von CBD Öl eine signifikante Verbesserung bei Schmerzen und anderen störenden Empfindungen bei Patienten mit peripherer Neuropathie bewirken kann. Das Produkt wurde außerdem gut vertragen.

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