Vorzeitiger Samenerguss

Vorzeitiger Samenerguss

Wie lange dauert ein Geschlechtsakt? Vor allem, wann ist ein Samenerguss "vorzeitig"? Mit anderen Worten, wann hat ein normaler (pünktlicher) Samenerguss stattzufinden? Darüber herrscht allgemeine Unsicherheit. Die Medizin bezeichnet es als Ejaculatio praecox, übersetzt "frühzeitiges Auswerfen", eine vorzeitige Ejakulation. Der Mann kann seinen Samenerguss nicht selber steuern. Es kommt gleich zu Beginn des Geschlechtsaktes zu einer Ejakulation. Manchmal auch schon vorher oder nur bei einer Berührung des Penis. Auf Dauer kann dies auch unangenehme Folgen für die Partnerschaft mit sich bringen. 

Rezeptpflichtige Arzneimittel:

Vorzeitige Ejakulation, eine Definition

Ab wann handelt es sich bei einem vorzeitigen Samenerguss um eine sexuelle Funktionsstörung? Rein statistisch geht man davon aus, dass es beim Geschlechtsakt ungefähr nach vier bis acht Minuten zu einem Samenerguss kommt. Leidet ein Mann darunter, dass er im Durchschnitt bereits nach ein bis zwei Minuten ejakuliert, spricht man von einem vorzeitigen Samenerguss. Die Medizin unterscheidet die primäre von einer sekundären vorzeitigen Ejakulation. 

Primäre vorzeitige Ejakulation

Die primäre Form wird auch als lebenslange Form bezeichnet. Das heißt, es kommt bereits ab der Pubertät überwiegend zu einem vorzeitigen Samenerguss. Auch beim Masturbieren. In der Forschung geht man davon aus, dass es in vielen Fällen eine genetische Veranlagung in Bezug auf den Serotoninhaushalt sein kann.

Sekundäre vorzeitige Ejakulation

Die sekundäre Form wird auch als erworbene Form bezeichnet. Hier geht man von einer Grunderkrankung oder auch von psychischen Störungen aus, durch die es zu einem vorzeitigen Samenerguss kommt. Diese sekundäre, im Laufe des Lebens auftretende Form der Ejaculatio praecox ist mit Abstand die häufigste Form. 

Wer ist betroffen?

Bei Männern unter sechzig Jahren zählt die vorzeitige Ejakulation zu den häufigsten sexuellen Funktionsstörungen. Eine Studie besagt, dass ungefähr zwanzig Prozent der Männer davon betroffen sind. Doch geht man von einem weitaus höheren Anteil aus, da Männer sehr oft dazu neigen, mit solchen Problemen keine ärztliche Unterstützung zu suchen.

Es gibt auch durchaus kulturell unterschiedliche Sichtweisen zu diesem Thema. So ist man hier in den westlichen Kulturkreisen weniger geneigt, einen vorzeitigen Samenerguss zu tolerieren. Dies könnte, laut Untersuchungen, auch an den pornografischen Film Vorbildern liegen. Hier wird gezeigt, was Mann alles bewältigen kann, bevor er dann erfolgreich, nach gefühlten Stunden "abspritzt". Es sollte jedem Mann klar sein, dass dies nicht die Normalität ist. In der Regel liegt die Zeitspanne bei rund sechs Minuten. In anderen Kulturkreisen gilt ein früher Samenerguss eher als ein Zeichen von hoher Potenz. Auch das ist nicht angenehm für einen beidseitig befriedigenden Geschlechtsverkehr.

Als Anhaltspunkte dafür, ob Sie selbst von dieser sexuellen Funktionsstörung betroffen sein könnten, sind folgende medizinische Parameter hilfreich:

  • es kommt fast bei jedem Geschlechtsverkehr vor (90%)
  • auch bei fast jeder Frau
  • es kommt innerhalb der ersten zwei Minuten zu einem Samenerguss 
  • es besteht keine Fähigkeit den Samenerguss zu beeinflussen

Wie kommt es zum Samenerguss?

Die Erektion wird durch das parasympathische Nervensystem gesteuert. Der Parasympathikus ist für die entspannten Momente im Leben zuständig. Damit sich das Glied aufrichten kann, braucht es diese Entspannung. Die Muskeln im Penis erschlaffen, der Blutdruck sinkt, die kleinen Blutgefäße im Glied füllen sich und der Penis wird steif. 

Bei der Ejakulation dagegen ist der Gegenspieler gefragt, der Sympathikus. Das sympathische Nervensystem kontrolliert die aktiven Momente und Vorgänge im Körper. Die entsprechenden Impulse, den Samenerguss zu stimulieren oder zu hemmen, kommen aus dem Stammhirn. Sie gelangen von dort zum Lendenbereich des Rückenmarks. Hier gehen die Impulse dann weiter über sympathische Nervenbahnen an die entsprechenden Stellen zur Ejakulation.

Bei der Erektion werden unter anderem bestimmte Nerven an der Eichel, der Vorhaut und dem Bändchen gereizt. Diese Reize wandern ins Gehirn. Wenn es soweit ist, wird der Befehl zum Samenerguss ausgelöst. Hier gibt es ein Zeitfenster von rund 4 Sekunden, auch "Point of no return" genannt. Das heißt, jetzt ist nichts mehr rückgängig zu machen. Der Nerven-Botenstoff Serotonin spielt bei diesem Vorgang eine zentrale Rolle. Es mag seltsam erscheinen, dass ausgerechnet dieses Hormon, als Glückshormon, maßgeblich daran beteiligt ist, die Ejakulation zu verhindern.

Man fand diesen Zusammenhang von Serotonin und Samenerguss bei Forschungen an Medikamenten gegen Depressionen heraus. Es zeigte sich, dass ein zu niedriger Serotoninspiegel auch die Fähigkeit vermindert, den Samenerguss zu steuern. Serotonin wird, je nach Bedarf im Körper, in der jeweils erforderlichen Balance gehalten. So sind bestimmte Enzyme dafür verantwortlich, Serotonin aufzubauen und andere dafür, es wieder abzutransportieren. Genau dieser Abtransport wird durch selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) verhindert. Sie setzten sich anstatt des Serotonins in den "Wagen" zum Abtransport. Das ist die Wirkungsweise des Medikaments Dapoxetin. Ist genügend Serotonin vorhanden, tritt der Samenerguss später ein und ist zudem auch besser kontrollierbar. 

Die Ursachen für eine vorzeitige Ejakulation

Früher ging man davon aus, dass ein vorzeitiger Samenerguss mit der psychischen Verfassung zu tun haben muss. Heute weiß man, dass sowohl körperliche, als auch psychische Ursachen zugrunde liegen können. Und zwar sowohl bei der primären als auch bei der sekundären Form. 

Körperliche Ursachen können mit dem Serotoninspiegel zusammen hängen oder mit einem zu niedrigen Wert des Hormons Prolaktin. Auch ein Fehler bei der Übertragung der nervalen Reize ist eine mögliche Ursache.

Auf der psychischen Seite sind es in erster Linie Stress, Depressionen oder traumatische Ereignisse, die diese Funktionsstörung verursachen. Eine Hyperaktivität des Sympathikusnervs, Versagensängste, Resignation oder bestimmte komplizierte Verhältnisse mit der Partnerin können ebenfalls dafür verantwortlich sein. 

Doch auch körperliche Erkrankungen können dahinterstecken. Zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck, Multiple Sklerose, Alkoholismus, Drogenabusus, Schilddrüsenerkrankungen oder Prostataerkrankungen. 

Die Diagnose: vorzeitige Ejakulation

Wie kommt es nun zu der Diagnose vorzeitiger Samenerguss? Ab wann kann man wirklich von einer sexuellen Störung sprechen? Immerhin spielen subjektive Wahrnehmungen dabei eine große Rolle. Ein kleines Beispiel: Ein Mann ist immer darauf bedacht, gleichzeitig mit seiner Partnerin zu kommen. Wenn es ihm dann öfter nicht gelingt, weil es bei Frauen nun einmal länger dauert, bis sie zum Höhepunkt kommen, leidet er unter vorzeitigem Samenerguss. Oder vielleicht doch nicht? In diesem Fall bestimmt nicht, denn die Durchschnittszeit bis zur Ejakulation liegt immerhin bei um die fünf oder sechs Minuten. So wäre es, anstatt eine sexuelle Störung zu vermuten, besser, dem "Drumherum" mehr Beachtung zu schenken. 

In der Medizin nähert man sich der Diagnose Ejaculatio praecox in der Hauptsache zunächst durch bestimmte Fragen. In der urologischen Praxis geht es zunächst darum, Krankheiten auszuschließen, die eine vorzeitige Ejakulation verursachen könnten. Hier wird also zunächst nach Vorerkrankungen, chronischen Erkrankungen und weiteren Symptomen gefragt. Besonders bezogen auf den Bereich der Schilddrüse, der Prostata und Erkrankungen der Nerven. Weiter sollten Sie sich darauf einstellen, dass Ihnen dort sehr persönliche Fragen gestellt werden. Machen Sie sich bewusst, dass es das Tagesgeschäft der Ärztinnen und Ärzte ist. Sie brauchen keine Scheu zu haben. Letztendlich helfen auch Ihnen nur ehrliche Antworten weiter. 

Was für therapeutische Maßnahmen gibt es?

Die Maßnahmen sollten der Ursache so genau wie möglich entsprechen, um erfolgreich zu sein. Hier kann schon ein klärendes Gespräch helfen und dort muss zunächst die Schilddrüsenerkrankung behandelt werden. Eine direkte Therapie zur Heilung, in Bezug auf den Zeitpunkt der Ejakulation, gibt es nicht. Zumindest dann nicht, wenn keine konkreten Auslöser gefunden werden. Mit Medikamenten und Salben kann der Samenerguss lediglich hinausgezögert werden. Dafür können unter anderem Arzneimittel zur Einnahme, betäubende Cremes oder betäubende Kondome zum Einsatz kommen.

Bestimmte Verhaltenstechniken oder eine Psychotherapie sind weitere recht erfolgversprechende Maßnahmen. Dies setzt allerdings voraus, dass der Betroffene bereit ist, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dass er sich dazu durchringen kann, über die Probleme offen zu reden. 

Dapoxetin 

Der Wirkstoff Dapoxetin gehört zu den Antidepressiva. Eben in diesem Zusammenhang wurde bei Untersuchungen entdeckt, dass sie auch eine Verlängerung der Ejakulationszeit bewirken. Seit 2009 ist das Medikament Dapoxetin zur Anwendung gegen vorzeitigen Samenerguss zugelassen.

Das bekannteste Medikament ist Priligy. Es ist verschreibungspflichtig. Hier auf Doktorabc können Sie das Medikament, inklusive eines ärztlichen Rezeptes, sofort bestellen. Es gibt zwei Dosierungen 30mg und 60mg, sowie zwei Verpackungseinheiten, zu 3 und zu 6 Filmtabletten. Die Kosten werden nicht von den Krankenkassen übernommen, da es als sogenanntes Lifestyle-Medikament gilt.

Dapoxetin verlängert die Zeit bis zur Ejakulation um das vier- bis fünffache. Zudem steigert es die Zufriedenheit beim Geschlechtsverkehr und vermittelt dem Mann wieder mehr Kontrolle über seine Ejakulation, das haben Untersuchungen ergeben. Das Glückshormon Serotonin spielt auch eine maßgebliche Rolle beim Samenerguss. Es sorgt für eine Verlängerung der Zeitspanne bis zum Samenerguss, doch nur solange es sich noch aktiv im Gehirn befindet. Der Wirkstoff Dapoxetin blockiert den Abtransport von Serotonin und verlängert damit die Verweildauer im Gehirn.

Das Medikament muss mindestens eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Dann hat es die maximale Konzentration im Blut. Es wirkt dann noch ungefähr zwei weitere Stunden. Mehr als einmal in 24 Stunden sollte es nicht eingenommen werden. Die Nebenwirkungen sind sehr gering. Gelegentlich wird von Mundtrockenheit, Kopfschmerzen und Übelkeit berichtet. Lesen Sie vor der Einnahme auf jeden Fall gründlich die Packungsanweisung. Dapoxetin verträgt sich mit bestimmten Medikamenten nicht und auch bei gewissen Erkrankungen wird von der Einnahme abgeraten. 

Betäubende Cremes

Sogenannte lokalanästhetisch wirkende Cremes werden vor dem Geschlechtsverkehr auf die Eichel des Penis aufgetragen. Es dauert dann ungefähr 10 bis 15 Minuten, bis die betäubende Wirkung eintritt. Es wird dann geraten, die Creme vor dem Sex abzuwaschen oder ein Kondom zu benutzen, damit sich die betäubende Wirkung nicht auf die Partnerin überträgt. Das kann ansonsten auch bei ihr zu einer Herabsetzung des Lustempfindens kommen.

Eine bekannte, apothekenpflichtige Creme ist EMLA. Sie enthält die Wirkstoffe Lidocain und Prilocain. Durch die lokale Betäubung an der empfindlichsten Stelle des Gliedes, soll der Samenerguss herausgezögert werden. Das sexuelle Lustempfinden wird herabgesetzt. Die Gefahr, dass die sexuelle Lust dabei generell auf der Strecke bleibt, besteht durchaus. Gelegentlich kann es auch zu Hautausschlägen und Verfärbungen kommen. 

Betäubende Kondome

Nach demselben Prinzip funktionieren betäubende Kondome. Sie sind von innen mit einem betäubenden Mittel, meisten Benzocain, imprägniert. Das Kondom muss ungefähr eine Minute vor dem Geschlechtsakt übergestreift werden, damit die Wirkung rechtzeitig eintritt. Hautirritationen am Penis treten selten auf. 

Verhaltenstechniken

Eine gute und effektive Möglichkeit vorzeitige Ejakulationen zu verhindern, können auch ganz einfache Übungen und Verhaltenstricks sein. Man muss sie nur kennen. Hier können Gespräche mit Sexualtherapeuten, -therapeutinnen sehr hilfreich sein. Manchmal reicht auch ein kleiner Ratgeber aus dem Internet oder ein entsprechendes Buch. Einige bekannte Techniken sind zum Beispiel:

-Stop-Start-Technik
Der Penis wird bis kurz vor dem Höhepunkt stimuliert, dann wird die Stimulation sofort abgebrochen. Das wird dann ein paar Male wiederholt. Das sexuelle Zusammenspiel lässt sich dadurch verlängern.
-Squeeze Technik
Bei dieser Technik drückt die Partnerin oder der Mann selbst kurz vor der Ejakulation die Harnröhre, kurz unter der Eichel am Penisbändchen für 10 bis 20 Sekunden, zusammen. 
- Zweiter Geschlechtsverkehr
Nach dem ersten, zu frühen Samenerguss, kommt es noch einmal zu einem Geschlechtsverkehr. In der Regel dauert es dann bedeutend länger bis zum Samenerguss. 
- Geeigente Stellungen beim Sex
Wenn der Mann sich nicht bewegt, bestimmte Stellen der Partnerin nicht sieht oder berührt, wird das Lustempfinden gebremst. Eine Stellung, bei der die Partnerin oben liegt, wirkt zum Beispiel eine deutliche Bremse für die Ejakulation. 
- Kontrollwillen
Der Mann kann auch versuchen, seinen Kontrollwillen zu stärken. Das funktioniert durch bestimmte Atemtechniken. Oder auch dadurch, die Aufmerksamkeit gezielt auf abkühlende Vorstellungen zu lenken. 

Psychologische Therapie

Nachhaltige Erfolge können in manchen Fällen Psychotherapien bewirken. Möglich sind Einzel- und Paartherapien. Die Grundvoraussetzung dafür ist allerdings die Bereitschaft, offen über die Probleme zu reden. Oft können auch die ganz individuellen Beziehungsprobleme mit einer Partnerin dazu führen, dass es regelmäßig zu einem vorzeitigen Samenerguss kommt. Bei einer Paartherapie werden dann Befindlichkeiten und Ängste vielleicht das erste Mal endlich angesprochen. 

Sonstige Behandlungsmethoden

Es gibt ähnliche Betäubungscremes wie EMLA, die nicht apothekenpflichtig sind. Doch die Wirkung ist in den meisten Fällen zu gering, um effektiv den Samenerguss hinauszuzögern.

Von einer Urologin, einem Urologen kann eine Injektion in die Eichel gesetzt werden. Dabei wird ein Füllstoff in die Eichel gespritzt, die sich dadurch etwas vergrößert. Durch die zusätzliche Füllung ist dieser Bereich unempfindlicher gegenüber Berührungen. Die Wirkung hält bis zu einem Jahr. Diese Therapie wird in mehreren Sitzungen durchgeführt und meistens mit einer Sexual-Therapie verbunden.

Auch eine chirurgische, kosmetische Penisoperation ist möglich. Dabei werden empfindliche Stellen an der Eichel oder im Bereich der Hoden umhüllt. In der Regel werden diese chirurgischen Eingriffe mit einer Sexual-Therapie verbunden. 

Quellen:

  • Dr. Tiemann, A. (2014):Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculation praecox). Online verfügbar unter: https://www.urologenportal.de/patienten/patienteninfo/patientenratgeber/vorzeitiger-samenerguss.html, zuletzt geprüft am 16.05.2018.
  • C. Buddeberg (2005): Sexualberatung - Eine Einführung für Ärzte, Psychotherapeuten und Familienberater. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Gebrauchsinformation: Information für Anwender. Priligy 30 mg. Stand 08.2015. Online verfügbar unter: http://berlin-chemie.de/docchecklogin/sendgifile?id=32022