Wie verkeimt sind Badeseen?

Von Anna K.| Datum: 19.03.2018| Lesedauer: 3-4 Min.

Sommerzeit - Schwimmbadzeit. Viele Menschen schätzen es dabei im Sommer, anstelle des Freibades lieber einen Badesee zu besuchen. Mehr Natur, ein gechlortes Wasser - das sind die Eigenschaften, die den Badesee reizvoll machen. Aber bestehen hier vielleicht auch Gefahren für die Gesundheit?

Multiresistente Bakterien

In Stichproben in Gewässern wurden in jeder Probe multiresistente Erreger gefunden, auch in Badeseen. Die Bundesregierung unterstrich dabei, dass die Übertragung auf schwimmende Menschen möglich ist. Wie groß ist die Keimgefahr für den Menschen?

Was sind überhaupt multiresistente Erreger?

Hierbei handelt es sich um Krankheitserreger, bei den verschiedene Arten von Antibiotika versagen. Trotzdem ist eine Behandlung möglich, weil die Erreger gegen viele, aber nicht alle Medikamente resistent sind.

Ist die Ansteckung mit multiresistenten Erregern leichter als mit anderen Erregern?

Multiresistent sagt nur über die Behandlungsmöglichkeiten etwas aus, die Ansteckung ist aber nicht leichter möglich. Zudem kann das Immunsystem auch mit multiresistenten Keimen fertig werden, wenn es nicht-multiresistente Bakterien abwehren kann.

Wie hoch ist die Infektionsgefahr mit multiresistenten Keimen beim Schwimmen im Badesee?

Grundsätzlich ist das Infektionsrisiko extrem gering, wie Gerd Fätkenheuer als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie betont. Zahlreiche der Bakterien, die innerhalb Test gefunden wurden, können sich problemlos bei einem gesunden Menschen ansiedeln, ohne ihn deshalb erkranken zu lassen.

Dazu kommt die Bedingung, dass die Bakterien aus dem Wasser überhaupt erst einmal in den Körper gelangen müssen, um eine Infektion auszulösen. Das ist beispielsweise beim Wasserschlucken der Fall. Allerdings müssen die Bakterien dann die Magensäure überwinden und zudem das Immunsystem überlisten - und das ist bei einem gesunden Menschen sehr unwahrscheinlich.

Eine Ausnahme stellen offene Wunden dar. Hier geht der Schutz des Körpers an der verletzten Stelle verloren und das Risiko, dass an einer Wunde Bakterien in den Körper eindringen, erhöht sich. Deshalb sollten Menschen mit einer größeren offenen Wunde - beispielsweise auch einen frisch gestochenen Tattoo - Badeseen innerhalb der Abheilung meiden.

Was ist mit Menschen mit geschwächtem Immunsystem?

Besteht ein extrem geschwächtes Immunsystem, ist der Körper den multiresistenten Keimen verstärkt ausgeliefert. Bei diesen Menschen kann beim Baden tatsächlich eine Infektion entstehen. Das ist aber nur dann der Fall, wenn das Immunsystem komplett lahmgelegt ist. Eine Krebserkrankung oder eine Transplantation können der Hintergrund ein. Diesen Patienten wird aber ohnehin dazu geraten, sich stärker vor Infekten zu schützen und hier gehört dann auch das Bad im Badesee zu den Ausschlüssen.

Wenn die Gefahr der Infektion gering ist, warum muss man sich mit multiresistenten Keimen im Badeseen dann beschäftigen?

Grundsätzlich sind die multiresistenten Keime ein Risiko für das Gesundheitssystem. Je höher die Verbreitung ist, umso größer die Gefahr der Menschen für eine Ansteckung. Deshalb werden Badeseen auch regelmäßig auf entsprechende Erreger hin untersucht. Wichtig ist das Wissen, wie hoch die Belastung in der Umwelt und den Seen ist, um dann entsprechende Gegenmaßnahmen im Bedarfsfall zu ergreifen.

Magen-Darm-Bakterien sind in Badeseen das höhere Risiko

Viel höher als die Gefahr durch Bakterien sind in Badeseen die Gefahren, ist eine Infektion mit Magen-Darm-Viren. Wer eine Infektion befürchtet, sollte ausschließlich offizielle Badeseen nutzen, denn hier prüfen die Hygiene- und Umweltämter in regelmäßigen Zeitabständen die Wasserqualität. Über das Umweltbundesamt lassen sich die gemessenen Wasserqualitäten im Internet nachverfolgen.

Dazu sollten Badeseen sowie auch Flüsse nach intensiven Regenfällen gemieden werden, weil von Feldern viele Keime in das Gewässer eingespült werden. Weiterhin belastet starker Regen die Kläranlagen. Damit diese nicht überlaufen, werden Schleusen geöffnet und das Abwasser kann ungehindert - und ungeklärt - in Flüsse und Seen gelangen.

Dazu bieten auch Enten und Wassertiere Aufschluss über die Wasserqualität. Je mehr Wassertiere an einem Gewässer leben, umso größer auch der Anteil an Kot, der ins Wasser gelangt. Stark bewohnte Gewässer sollte man deshalb als Bademöglichkeit ausschließen.

In Schwimmbädern sind die Risiken, dass multiresistente Keime oder Magen-Darm-Bakterien vorhanden sind, durch die regelmäßige Wasseraufbereitung deutlich geringer.

Quellen:

  • Berres, I. (2018): Wie gefährlich sind Keime in Badeseen? Online verfügbar unter: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/multiresistente-erreger-wie-gefaehrlich-ist-das-baden-in-seen-a-1197262.html, zuletzt geprüft am 12.03.2018.
  • Bild: https://www.pexels.com

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