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Allgemeine Informationen

Die Hyperlibido: Wenn das dauerhafte Verlangen nach sexueller Befriedigung Ihr Leben bestimmt

Lena Blank
5 Minuten

Hypersexualität bzw. Sexsucht kann die Vernunft ausschalten und ein unkontrollierbares Bedürfnis nach Befriedigung der sexuellen Triebe hervorrufen. Wenn die Libido krankhaft stark aktiv ist, entsteht ein unersättliches sexuelles Verlangen.

Häufig wird der Partner bedrängt oder es kommt sogar zum Seitensprung. In Deutschland sind schätzungsweise zwischen drei und sechs Prozent der Bevölkerung vom Sexualzwang betroffen. Männer leiden deutlich häufiger an dem unkontrollierbaren Geschlechtstrieb.

Während wir im vorherigen Artikel auf Möglichkeiten, die Libido zu steigern, eingegangen sind, möchten wir zum Schluss über das Krankheitsbild der Hyperlibido berichten.

Im letzten Teil unserer Libido-Serie klären wir Sie deshalb über die Auslöser, Symptome, Beratungsmöglichkeiten und Behandlung von Hypersexualität auf.

Was ist Hypersexualität?

Hypersexualität, häufig auch als Sexsucht bezeichnet, beschreibt einen krankhaft starken Geschlechtstrieb. Das Verlangen nach sexueller Befriedigung ist bei Sexsüchtigen beinahe unkontrollierbar. Häufig vernachlässigen Betroffene einer Hyperlibido ihre Pflichten und ihr soziales Umfeld. Da Sie zwanghaft darauf konzentriert sind, ihr sexuelles Verlangen zu befriedigen, bedrängen sie ihren Partner häufig.

Im Verlauf der Erkrankung haben Sexsüchtige zudem nie das Gefühl, vollends befriedigt zu sein. Um ihre Sucht möglichst weitgehend zu stillen, steigern sich Häufigkeit, Intensität und Sexualpartner beim Geschlechtsverkehr.

Symptom-Check: Sind Sie sexsüchtig?

Eine klare Grenze zwischen einem aktiven Sexualleben und Hypersexualität gibt es nicht. Zudem muss täglich mehrfacher Geschlechtsverkehr nicht unbedingt auf Hypersexualität hindeuten. Krankhaft wird das übermäßige Verlangen hingegen, wenn andere Lebensbereiche vernachlässigt werden oder Ihre sexuellen Triebe Ihre Vernunft ausschalten.

Die folgenden Symptome können demnach auf eine Hypersexualität hindeuten. Bemerken Sie mehrere der aufgelisteten Eigenschaften seit einem längeren Zeitraum, sollten Sie mit einem Arzt sprechen oder eine Beratungsstelle aufsuchen.

  • Sie spüren ein unaufhörliches Bedürfnis nach sexueller Befriedigung
  • Ihr Verlangen ist niemals vollends gestillt (Sie fühlen sich nie ausreichend befriedigt und haben immer das Gefühl, mehr zu brauchen)
  • Ihr Partner fühlt sich von Ihnen bedrängt und zieht sich zurück
  • Sie masturbieren in letzter Zeit übermäßig oft
  • Sie konsumieren mehrmals täglich pornografische Inhalte oder Erotikliteratur
  • Sie investieren viel Geld in sexuelle Dienstleistungen und Produkte
  • Sie vernachlässigen Ihre beruflichen Pflichten
  • Sie vernachlässigen Ihre Sozialen Kontakte
  • Sie vergessen Versprechen und Pflichten zu erfüllen
  • Sie haben weniger Interesse an Dingen, die Ihnen früher wichtig erschienen
  • Wenn Sie Ihrem sexuellen Verlangen nicht nachgeben, bemerken Sie psychische Entzugserscheinungen (Reizbarkeit, hohes Stressempfinden, innere Unruhe etc.)

Was löst eine Hyperlibido aus?

Wie jede Sucht wird auch Hypersexualität in der Regel durch psychische Beschwerden hervorgerufen. Die Sucht kompensiert eine innere Leere, welche durch das Objekt der Begierde gefüllt werden soll. Dies können beispielsweise Einsamkeit, Perspektivlosigkeit oder ein geringer Selbstwert sein. Weiterhin kompensiert Sexsucht in einigen Fällen andere Suchterkrankungen. So wird die sexuelle Befriedigung als Ersatzdroge angewendet.

Auch Missbrauchserfahrungen und psychische Erkrankungen können eine Hyperlibido auslösen. Kindheitstraumata gelten beispielsweise als eine häufige Ursache für ein krankhaftes Sexualverhalten im Erwachsenenalter. Zudem wird Hypersexualität oftmals in Verbindung mit Manien, Phobien, Zwangsstörungen, Panikattacken und Angststörungen beobachtet.

In seltenen Fällen kann die Sexsucht auch durch organische Krankheitsbilder oder Medikamenteneinnahme verursacht werden. So können beispielsweise Hirnverletzungen oder ein Tumor der Nebennierenrinde die Libido beeinflussen. Zudem können einige Neuroleptika und Parkinsonpräparate das sexuelle Verlangen beeinträchtigen.

Beratungsmöglichkeiten bei Hypersexualität

Hypersexualität ist noch immer ein oftmals totgeschwiegenes Thema. Während der Begriff Nymphomanie wohl eher auch pornografischen Medien bekannt ist, gibt es über das männliche Krankheitsbild Satyriasis kaum Aufklärung. Dabei kann eine Sexsucht die Lebensqualität des Betroffenen stark einschränken und sogar feste Beziehungen und Ehen gefährden.

Um das unangenehme Thema, möglichst ohne Hürden und Schamgefühl, ansprechen zu können gibt es zahlreiche Beratungsstellen für Betroffene. Wenn Sie sich bereits Ihrer Sucht bewusst sind, ist bereits eine große Hürde überwunden. Nun gilt es sich Hilfe zu suchen.

Das Weiße Kreuz bietet beispielsweise eine Übersicht über die Beratungs- und Hilfsangebote in Deutschland an. Hier können Sie Ihr Anliegen und den gewünschten Ort angeben und Sie erhalten sofort eine Übersicht der Beratungsstellen in Ihrer Nähe. Weitere hilfreiche Adressen stellt das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft zur Verfügung.

Beratungsstellen bieten Ihnen die Möglichkeit, anonym mit jemanden zu sprechen, der Ihre Symptome kennt und Sie nicht verurteilt. Sie können allerdings auch jederzeit mit Ihrem Hausarzt über Ihr Anliegen sprechen. Auch Ihr Hausarzt ist Mediziner und wird Sie nicht verurteilen. Er kann Ihnen hilfreiche Anlaufstellen mitgeben und Ihnen eine Überweisung an einen Facharzt schreiben.

Frauen mit Hypersexualität wenden sich häufig lieber an Ihren Frauenarzt. Auch diese Möglichkeit steht Ihnen offen und ist vollkommen in Ordnung. Ihre Gynäkologin kann Ihre Symptome gut einordnen, Ihnen empfehlenswerte Anlaufstellen mitteilen und Behandlungsmöglichkeiten mit Ihnen besprechen.

Sind Sie bereits in psychiatrischer Behandlung, so sollten Sie Ihren Therapeuten von den Beschwerden und Ihrer Vermutung berichten. Er kann eine Hypersexualität diagnostizieren und gegebenenfalls gemeinsam mit Ihnen behandeln.

Wie wird Sexsucht behandelt?

Eine Pille gegen Hypersexualität gibt es leider nicht. Wie bei anderen Suchterkrankungen auch, haben sich Psychotherapien zur Behandlung einer Sexsucht etabliert. Zumeist kommen hier Sucht-, Gesprächs- und Verhaltenstherapien zum Einsatz. In einigen Fällen wird zudem eine Paar- oder Sexualtherapie empfohlen.

Die Psychotherapie wird meist langfristig über mehrere Jahre in Anspruch genommen. Hier werden Traumata aufgearbeitet und herausgefunden, was mit der Sucht nach sexueller Befriedigung kompensiert werden soll. Zudem erlernen Sie negativ wahrgenommene Gefühle anzunehmen, den inneren Drang auszuhalten und mit der Sucht umzugehen.

Unterstützend wird häufig ein Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verschrieben. Das Psychopharmaka kann psychische Entzugserscheinungen lindern und zudem mindern einige Präparate Ihre Libido.

Üblicherweise wird außerdem ein vorübergehender Entzug ausgeübt. Die sexuelle Enthaltsamkeit soll Ihre Selbstkontrolle trainieren und Ihnen helfen Abstand zu Ihrem Suchtobjekt zu gewinnen. Im Gegensatz zu vielen anderen Suchterkrankung wird jedoch keine dauerhafte Abstinenz angestrebt. Viel mehr ist ein kontrollierter Umgang mit Ihrer Sexualität das Ziel der Behandlung.

Zur weiteren Behandlung und Stabilisierung kann außerdem eine Selbsthilfegruppe aufgesucht werden. Hier treffen Sie Menschen mit ähnlichen Problemen. Sie können sich Rat suchen und andere Betroffene unterstützen. Gemeinsam vermeiden Sie einen Rückfall und lernen Ihr Krankheitsbild besser kennen. Beispielsweise die Anonymen Sexaholiker Deutschland bieten Ihnen Anlaufstellen, um auch Krisenzeiten ohne Rückfälle zu überstehen.

Fazit

Wenn die Libido über Ihr Leben bestimmt und dafür sorgt, dass Sie andere Lebensbereiche vernachlässigen, kann eine Hypersexualität dahinterstecken. Ein aktives Sexualleben ist jedoch kein Krankheitsbild. Auch häufiger Geschlechtsverkehr und Selbstbefriedigung kann gesund und normal sein. Leiden Sie oder Ihr Umfeld jedoch an Ihrer sexuellen Lust, sollten Sie sich beraten lassen.

In Deutschland gibt es vielseitige Beratungsstellen für Menschen mit Sexsucht. Zudem kann auch Ihr Hausarzt oder Gynäkologe als erster Ansprechpartner dienen. Früher oder später müssen Sie sich jedoch für gewöhnlich an einen Psychotherapeuten wenden. Dieser hilft Ihnen, Ursachen und Lösungsstrategien zu finden, damit Sie ein gesundes Sexualleben führen können.

Zudem kann eine Selbsthilfegruppe unterstützend wirken und einen Rückfall in alte Muster verhindern.

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